Im Sommer 2016 war Zürich zur Kunsthauptstadt

Bildquelle und Copyright: © MANIFESTA 11

Manifesta-Event vom 10. Mai im Migros Museum für Gegenwartskunst

 „Temporäres Kunstprojekt (22), mit geringem Budget, wechselnden Standorten, begrenztem Aktionsraum, heterogener Zielgruppe, politischer Mission und namhafter Konkurrenz, sucht Kommunikationsexpertin zwecks Generierung grösstmöglicher Aufmerksamkeit.“

So etwa würde wohl die Kontaktanzeige der Manifesta 11 lauten, wenn die Verantwortlichen mit Kathrin Luz nicht längst ihre PR-Traumpartnerin gefunden hätten. Vor rund 60 Gästen präsentierte die Kölner Kommunikationsexpertin das Konzept, mit dem der 11. Auflage der Biennale zum angepeilten Erfolg verholfen werden soll.

Rund einen Monat vor Beginn der Manifesta 11, die vom 11.6. bis zum 18.9.2016 unter dem Motto „what people do for money“ in Zürich gastieren wird, geht die Kampagne langsam in die heisse Phase: mit dem Bau des schwimmenden Pavillons of Reflections auf dem Zürichsee, der zum Wahrzeichen der Biennale werden soll, haben Studierende der ETH Zürich bereits begonnen.

Kuratiert wird die Kunstausstellung 2016 vom deutschen Konzept- und Aktionskünstler Christian Jankowski. Das visuelle Konzept der Manifesta 11 entwickelte integral ruedi baur. Basierend auf Otto Neureuthers Ästhetik der Evaluierungen aus den 1920ern, wurden eine eigene Typo, auffällige Signets und Figurinen entwickelt, die nach und nach im Stadtraum ihren Niederschlag finden werden.

Das kommunikative Ziel ist seitens der Organisatoren klar definiert. Für eine Ausstellung sei das eher ungewöhnlich, erzählt Kathrin Luz im Migros Museum für Gegenwartskunst, das einer der zahlreichen Venues für die Manifesta 11 sein wird. Fast alle Register der Kommunikationsarbeit wurden von Luz und ihrem Team daher gezogen – nur auf die klassische Anzeigenwerbung verzichtete man aus Kostengründen konsequent. Dennoch sollen 2016 mehr als 100‘000 Besucher kommen, 10% von ihnen eines der zahlreichen Vermittlungsangebote wahrnehmen, 20‘000 Menschen monatlich auf der Website www.manifesta11.org verweilen.

Ambitionierte Ziele also, von denen auch der zweite Gast des Abends hofft, dass sie erreicht und übertroffen werden. Peter Haerle, Direktor der Abteilung Kultur der Stadt Zürich, beantwortet geduldig Christina Wallats Fragen zu Kunst, Kultur und Kommunikation im Zürich des frühen 21. Jahrhunderts.

Eine der wichtigsten und knappsten Ressourcen sei mittlerweile die Aufmerksamkeit des medial gesättigten Publikums, erläutert Haerle, der seit 2010 der Zürcher Dienstabteilung Kultur vorsteht. Besondere Bedeutung habe für ihn daher die niederschwellige Zugänglichkeit der Veranstaltung sowie die Mobilisierung auch kulturferner Schichten der Gesellschaft. Ein möglichst breites Publikum solle von der Manifesta 11 profitieren, schliesslich seien es die Steuergelder aller, mit denen Messe und die Kultur im Allgemeinen subventioniert würden.

Nach dem Appell des 50jährigen Kulturdirektors, die Manifesta 11 als Begegnungsmöglichkeit und Chance für Zürichs Bild als Kulturstadt zu begreifen, ging es für Kathrin Luz und Peter Haerle zurück an die ihnen noch bevorstehende Arbeit. Die Gäste der ZPRG vertieften derweil das gerade Gehörte noch ein wenig beim Apéro Riche.

Christian Hansen, freischaffender Autor, Berater und Journalist
Tätig in den Bereichen Kultur | Vermittlung | Dialog
www.christianhansen.ch


 Zur Referentin

 

Kathrin Luz, Head of Communication Manifesta 11, führt die Agentur Kathrin Luz/Neumann Luz Cooperations und ist spezialisiert auf Kommunikation in den Bereichen Kunst, Architektur und Design. Sitze ihrer Agenturen sind Köln und Baden-Baden. Katrin Luz war sowohl in diversen internationalen Kommunikationsagenturen tätig wie auch als Kunstkritikerin und als Korrespondentin der ZEIT.

 

Mehr Informationen:

www.neumann-luz.de

 

 


Die Aufnahmen stammen von Markus Senn:

Dienstag, 10. Mai 2016 18.30
Schweiz
Lokalität: 
Migros Museum für Gegenwartskunst, Limmatstrasse 270, 8005 Zürich